Junges Forum: Bildungspolitik

27.03.2012

Im Folgenden ist das Protokoll des ersten Jungen Forums der JU Garching. Das Junge Forum ist eine Initiative die den Austausch von Meinungen über alle Gesellschaftsklassen hinweg fördern soll.

 

 

 

Protokoll über das Junge Forum der JU Garching am 27.03.2012

Bericht:            Michael Tillinger

Beginn:                     19:15 Uhr
Ende:                        20:30 Uhr

Vorstellung der JU Garching

Daniel Lubos stellte den anwesenden Gästen die JU Garching vor und berichtete über das Anliegen der Neugründung der JU Garching, sowie über bisherige Veranstaltungen und Erfolge. Als zukünftige Projekte mit JU-Beteiligung stellte er den Stadtlauf des VfR Garching vor, ein mögliches Beach-Volleyballturnier und das „Junge Forum“ als regelmäßige parteipolitische Veranstaltung.

Junges Forum (Thema: Bildungspolitik)

In ein paar einleitenden Worten führte Daniel Lubos auf das zentrale Thema dieser Veranstaltung hin: Die Bildungspolitik in Bayern

Garchinger Schüler als Schulpendler

In Bezug auf das Werner-Heisenberg-Gymnasium (WHG) wurde v.a. kritisiert, dass an die Schüler/-innen höhere Ansprüche gestellt werden als dies an anderen Schulen der Fall ist (z.B. Maximiliansgymnasium München). Außerdem wurde die alte Gebäudesubstanz des WHG negativ erwähnt und die überflüssigen Kosten der Gebäudesanierung im Vorfeld des Neubaus kritisiert.

Einführung des G8

Nach allgemeiner Auffassung sei durch vermehrten Nachmittagsunterricht (und folglich weniger Freizeit) die Belastung der Schüler/-innen des G8 im Vergleich zu den früheren Jahrgängen gestiegen. Zusätzlich überfordere die Masse an „Grundwissen“, die die Schüler/-innen stets parat haben müssen. Inwieweit sich der Lernstoff verändert hat konnte nicht abschließend geklärt werden. Die Einführung des G8 sei i.A. richtig gewesen, dennoch müssten in der Umsetzung einige Verbesserungen vorgenommen werden. (Beispiel: Kürzung des Lehrplans) Unterrichtslücken wurden als störend empfunden, sie stellten jedoch kein G8-spezifisches Problem dar.

Doppelter Abiturjahrgang Auswirkungen auf die Studenten

Bezüglich des doppelten Abiturjahrgangs wurde v.a. die organisatorische Umsetzung an den Hochschulen kritisiert. Demnach wären diese nicht auf die Masse an Studenten/-innen vorbereitet gewesen, wodurch es für die Abiturienten/-innen schwieriger gewesen sei, einen Studienplatz zu finden. Die TUM habe wegen der hohen Zahl an Studienanfängern zusätzliche Räume angemietet, die in manchen Fällen mit öffentlichen Verkehrsmitteln aber nur schwer zu erreichen seien.

Was bringen Eliteschulen/-unis?

Leistungsstarke Schüler/-innen und Studenten/-innen würden nur aus Imagegründen gefördert. Nicht immer würde die Leistungsbereitschaft honoriert. (Beispiel: Vereinfachter Zugang zum Medizinstudium, wenn Eltern Ärzte sind) Eliteschulen seien außerdem i.A. sehr teuer, was zu sozialer Selektion führe. Der Anteil von Akademikerkindern an der Gesamtzahl der Studenten/-innen sei in Bayern überproportional hoch, während z.B. in Schweden die soziale Förderung mehr im Vordergrund stehe.

Gemeinsames Abitur/Schulsystem

Die Einführung der Gesamtschule wurde von der Mehrheit der Teilnehmer/-innen mit der Begründung abgelehnt, dass dadurch leistungsstarke Schüler/-innen in ihrer schulischen Entwicklung gehemmt werden könnten. Die Einführung eines gemeinsamen/vergleichbaren Abiturs (z.B. A-level [England], Bac [Frankreich]) in allen Bundesländern wurde hingegen überwiegend befürwortet. Dadurch entfiele die bisherige Verrechnung der Abiturschnitte und der Schul- bzw. Hochschulwechsel zwischen den Bundesländern würde erleichtert.

Vergleich verschiedener Schulsysteme

Im Bayerischen Schulsystem fände eine frühe Trennung der Schüler/-innen statt (nach der 4. Klasse). In anderen Ländern lernten Schüler/-innen länger gemeinsam. (Als Beispiel wurde das Schulsystem der USA, sowie das skandinavischer Länder erwähnt)

Auswirkungen des sozialen Umfelds auf die Lernbereitschaft/-fähigkeit

Die soziale Herkunft entscheide in vielen Fällen, welche Schullaufbahn durchlaufen wird. Ein hoher Anteil an Schülern/-innen mit Migrationshintergrund wirke sich negativ auf die Leistungen der gesamten Klasse aus. In sozial schwächerem Umfeld verbrächten Kinder mehr Zeit vor dem Fernseher und schlechte Noten würden eher akzeptiert. Insgesamt müssten schwache Schüler/-innen besser zwischen den Klassen verteilt werden. Kein Kind dürfe zurückgelassen werden. Der Übertritt von der Hauptschule auf das Gymnasium sei zurzeit nur schwer möglich. Die Hauptschule habe in der Gesellschaft und in der Wirtschaft ein schlechtes Image.

Schullaufbahn Berufsausbildung

Die Mehrheit der Teilnehmer/-innen war sich einig, dass Schüler/-innen in allen Schularten besser über ihre Berufseinstiegsmöglichkeiten informiert werden müssten. Gleichzeitig müssten wichtige Tätigkeiten für die Gesellschaft von dieser mehr wertgeschätzt werden (z.B. Müllabfuhr). In vielen Fällen zögen Gymnasiasten/-innen nur dann eine Berufsausbildung in Betracht, wenn sie das Abitur nicht erreichten. Eine Berufsausbildung würde im Vergleich zu einer akademischen Ausbildung geringgeschätzt und als Abstieg empfunden. Als Verbesserungsvorschlag wurde die Stärkung des zweiten Bildungsweges empfohlen.

Neue Studienabschlüsse

Die Mehrheit der Teilnehmer/-innen teilte die Befürchtung, dass der gute Ruf der deutschen Ingenieursabschlüsse unter der Umstellung leiden könnte. Der Bachelor-Abschluss am Ende eines verkürzten Studiums mit weniger Inhalt im Vergleich zu den bisherigen Diplomstudiengängen, sei nur ein berufsbildender Abschluss. Wenn kein Masterstudiengang angeschlossen wird, so hätten es Studenten/-innen schwer, einen adäquaten Arbeitsplatz zu finden.

Studiengebühren

Es wurde von mehreren Seiten die Befürchtung geäußert, dass durch Studiengebühren Abiturienten/-innen vom Studium abgehalten werden könnten, oder der Studienort entsprechend den finanziellen Möglichkeiten ausgesucht würde. Keine Einigkeit bestand in der Einschätzung, ob allein mit BAFÖG eine Studienfinanzierung möglich sei. Die Lebenshaltungskosten v.a. in bayerischen Städten seien hoch und eine flächendeckende Förderung durch Stipendien wie in anderen Ländern gäbe es in Deutschland nicht. Außerdem wurde kritisiert, dass ein Großteil der Studiengebühren nicht ausgegeben, sondern auf Konten gesammelt würde. Nach allgemeiner Auffassung, seien daran jedoch im Wesentlichen die Verwaltungseinrichtungen an den Hochschulen verantwortlich.

Austausch zwischen Schule und Hochschule

Beispiele für eine gute Zusammenarbeit seien vorhanden (z.B. TUMS-Programm), jedoch nicht flächendeckend. Einige Teilnehmer/-innen fühlten sich in Bezug auf die Lerninhalte nicht gut auf das Studium vorbereitet. Das Lerntempo sei gegenüber der Schule sehr beschleunigt und Abiturienten/-innen aus anderen Bundesländern hätten Schwierigkeiten, da Wissen vorausgesetzt würde, welches in ihrer Schule nicht vermittelt worden sei. Außerdem wurde die Vorbereitung auf Präsentationen vermisst.

Semesterticket

In Bezug auf das Semesterticket wurde v.a. der Kommunalpolitik Versagen bescheinigt. München sei die einzige Universitätsstadt Deutschlands, die den Studenten kein Semesterticket, bzw. eine ähnliche Vergünstigung für den öffentlichen Personennahverkehr anböte.